Viele Unternehmen schließen ausländische Produktionsstätten wieder

Lange Zeit war Fernost für viele große Unternehmen ein beliebtes Ziel für die Errichtung von Produktionsstätten im Ausland. Hier konnte man besonders günstig produzieren, so dass sich sogar die hohen Transportkosten zurück nach Europa amortisierten. In Europa wurden immer mehr Stellen abgebaut und sogar ganze Werke geschlossen, weil man angeblich nicht mehr kostendeckend produzieren konnte.

Nun ist jedoch eine Trendwende bei vielen Unternehmen zu verzeichnen, denn viele deutsche Firmen verlagern ihre Produktion wieder zurück ins eigene Land. Auch ein Hersteller von Schweißraupen wollte vor sechs Jahren sein Glück im wesentlich günstigeren China versuchen und eröffnete in Peking stolz seine asiatische Niederlassung in einem nobel anmutenden Ambiente. Inzwischen ist der Inhaber des Unternehmens wieder zurück in Hannover und kann nicht viel Gutes aus seiner Zeit in China berichten und rät auch anderen Unternehmen davon ab, sich der Globalisierung anzuschließen.

Eginhard Vietz hat aus dieser Erfahrung gelernt und hält inzwischen auch bundesweit Vorträge, um auf die Missstände in der Volksrepublik China aufmerksam zu machen. Er empfiehlt keinem Unternehmer sich von den günstigen Produktionskosten blenden zu lassen, sondern sich auf seine Wurzeln und auf gute deutsche Wertarbeit zu besinnen. Vietz ist zum absoluten Kritiker geworden, da eine Filiale in Fernost seiner Meinung nach große Nachteile mit sich bringt. Zum einen seien die Arbeiter nicht wirklich qualifiziert, und etwas anspruchsvollere Arbeitsvorgänge würden sie schlichtweg überfordern, zum anderen nähmen sie es auch mit der Arbeitsmoral nicht so streng. Auch von Loyalität und Ehrlichkeit scheinen die Arbeiter nicht viel zu halten, denn häufiger wurde Firmeneigentum entwendet oder sogar Baupläne gestohlen. Einer seiner Partner war so dreist, in geringer Entfernung ein eigenes Werk zu eröffnen und fast die gleichen Geräte zu produzieren. Vietz bezeichnet China sogar als Fälscherrepublik, da auf dem Markt immer wieder billige Kopien “made in China” zu finden sind.

Der Hannoveraner ist jedoch nicht das einzige gebrannte Kind, denn mittlerweile kehren immer mehr deutsche Unternehmer ihren Produktionsstätten im Ausland den Rücken oder verzichten gleich ganz auf einen Umzug. Bereits Ende der 70er Jahre hatten sich viele Großunternehmen ins Ausland gewagt und lange Zeit von den günstigen Produktionskosten profitiert. Was hier funktioniert haben mag, ging dann bei vielen Mittelstandunternehmen in die Hose, weil die Voraussetzungen hier andere waren. Viele enttäuschte Unternehmen wollen nicht über diesen Misserfolg sprechen und widmen sich nun wieder ganz ihren Geschäften im eigenen Land. Schätzungen gehen davon aus, dass jedes Jahr etwa 500 Unternehmen den Rückzug aus dem Ausland antreten, weil keine positiven Ergebnisse verzeichnet werden konnten.

Es gibt viele Gründe für das Scheitern im Ausland, denn die Bedingungen haben sich auch in Entwicklungsländern verändert. Auch wenn das Personal nicht sehr hoch qualifiziert ist, ist man nicht mehr bereit, für einen Hungerlohn zu arbeiten. Dazu kommen die wesentlich höheren Transportkosten durch die stark gestiegenen Spritpreise, und in einigen Ländern kommen noch politische Unruhen zu den Risikofaktoren dazu. Wenn europäische Unternehmen ihre Produktion heutzutage noch ins Ausland verlagern, dann sind die Ostblockländer, hier vor allem die Ukraine, sehr beliebt.

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